Frauke Dannert

Im Mittelpunkt der Betrachtung von Frauke Dannert (*1979) steht das Erleben und Wahrnehmen von Räumen.

Mit einer konzeptuell stringenten Bildsprache hat die Künstlerin in den letzten Jahren in zahlreichen Ausstellungen Aufmerksamkeit generiert und vor allem den Stadtraum und seine Architektur als ästhetisches, historisches und sozial gewachsenes Gefüge in den Fokus der Wahrnehmung gerückt. Durch De- und Rekomposition zahlreicher Fotografien von nicht mehr existierenden Architekturen, schafft sie hybride Bildformen, die sie zu wandfüllenden Collagen vergrößert. Im Ausstellungskontext wirken diese surreal anmutenden Baufragmente wie schwebende Skulpturen ohne Bodenhaftung, die teils mit den vorherrschenden Raumverhältnissen korrespondieren, oder diese gezielt unterlaufen. Geometrisch strukturierte Teppichintarsien und Lichtprojektionen intensivierten die Veränderung der bestehenden Raumarchitektur, verschieben vorhandene Perspektiven und setzen dem Raum eine andere, eigene Ordnung entgegen.
Mit Rachael hat Frauke Dannert, die bis 2010 an Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Thomas Grünfeld studierte, eine außerordentlich poetische und im Hinblick auf ihr bisheriges Werk untypische Installation geschaffen.
Inspiriert von Gaston Bachelards „Poetik des Raumes“ bildet der Ausstellungsraum als Bedeutungsträger, Ort des Erlebens und insbesondere Hort der Erinnerung den Ausgangspunkt ihrer konzeptuellen Arbeit.
In die charakteristische Architektur des ehemaligen Winterrefektoriums setzt die Künstlerin, einen geheimnisvollen zweiten Raum, der wie die Cella eines Tempels den zentralen Bereich innerhalb der mächtigen Granitsäulen umschließt. Der eintretende Betrachter sieht sich zunächst einer geschlossenen grauen Fassade gegenüber, die erst bei ihrem Umschreiten an der gegenüberliegenden Seite Einlass gewährt. Die Schwelle als Schnittstelle initiiert einen stillen Dialog, stehen doch raues Äußere und weiches Innere der gebauten Konstruktion in einem auffälligen Kontrast. Einmal eingetreten, wähnt sich der Betrachter durch die Schlichtheit und intime Atmosphäre des mit blauem Stoff ausgekleideten Rauminneren unmittelbar an einem anderen, zeitlosen Ort.
Folgt man dem Verlauf der implementierten Architektur, findet sich an dessen Ende das ikonenhaft anmutende Bildnis einer weißen Eule, welches sich bei längerem Hinsehen als filmische Projektion entpuppt. Ein subtiler Dialog von Vergangenem und Augenblicklichem, von An- und Abwesenheit, generiertem (Ab)bild und faktischer Wirklichkeit setzt sich in Gang, der die Gegenwart der Eule an diesem Ort zu einem früheren Zeitpunkt bezeugt. Auf poetische Weise wird so das ephemere Abbild der Eule zum Sinnbild für das Verrinnen von Zeit und zum ‚memento mori‘ der Vergänglichkeit.
Die zahlreichen kunsthistorischen und kulturgeschichtlichen Konnotationen der Eule verleihen der Installation eine tiefgreifende Symbolik und Aktualität. In nahezu allen Kulturkreisen gilt sie als Geschöpf der Nacht, umrankt von einer mystischen und geheimnisvollen Aura. Ihr starrer Blick und die Fähigkeit, den Kopf um 180 Grad zu drehen, lösen Faszination und abergläubische Angst aus. Man schreibt ihr Heilkräfte zu, sieht in ihr die Verkünderin des nahenden Todes, deutet sie als Überbringerin von Botschaften und macht sie zum Symbol für Klugheit, Prophezeiung, Weisheit und Erinnerung.
Frauke Dannert erweitert die Bedeutung der Eule als Abbild einer vergangenen Realität um weitere signifikante Facette durch den Bezug zu Ridley Scotts „Blade Runner“. Im Zeitgeist der 1980er Jahre erschafft der Regisseur eine apokalyptische Gesellschaftsvision voller mythologischer, philosophischer und religiöser Anspielungen, in der androide Replikanten, allen voran die Protagonistin und Impulsgeberin für den Titel der Ausstellung Rachael, als täuschend echte Kopien an die Stelle von Menschen treten. Auch eine replizierte Eule erscheint im Film in ihrer traditionellen Eigenschaft als Wappentier der Weisheit und wirft die Frage nach Authentizität und Inszenierung, nach Schein und Sein auf. Kopien treten an die Stelle von Menschen, Abbilder an die Stelle von Wirklichkeit.
Mit subtilem Gespür verschränkt die Künstlerin in einzigartiger Weise unterschiedliche Aspekte aus Film und Kulturgeschichte. Im ephemeren Sinnbild der Eule verdichtet Rachael eine über Jahrhunderte angesammelte Erinnerungskultur und beschreibt das ehemalige Winterrefektorium auf einer metaphysischen Ebene als einen Ort mit vielschichtiger Vergangenheit.
Nach Bachelard ist das Haus ein Instrument zur Analyse der menschlichen Seele, ist die Architektur ein Ort des Erlebens und Hort des Träumens. Im pointierten Schulterschluss bewegt sich Rachael als Verräumlichung einer Erinnerung nicht nur an der Schwelle zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Wirklichkeit und Illusion, Greifbarem und Scheinbarem, sondern zugleich zwischen architektonischer Idee und realer Erfahrung des Ortes.

Frauke Dannert wurde 1979 in Herdecke geboren und studierte von 2001 bis 2010 an den Kunstakademien in Münster und Düsseldorf u.a. bei Prof. Thomas Grünfeld, sowie am Goldsmiths College in London. 2010 erhielt sie ein Reisestipendium des Kunstvereins Düsseldorf, 2012 erhielt sie ein Residenzstipendium des Landes NRW auf Schloss Ringenberg sowie den Düsseldorfer Audi Art Award.
Frauke Dannert lebt und arbeitet in Köln.

Di bis So 14 bis 17 Uhr
und auf Anfrage

kuratiert von Nadia Ismail und Astrid Legge

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